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MdS
2008 Ouarzazate Marokko/Freiburg, April 2008.
Das Leben hält sich nicht immer
an gefasste Pläne! Manche Dinge nehmen eben einen komplett
anderen Weg als den, den wir uns vorgestellt haben.
Etwas völlig Unvorhergesehenes passiert und macht dir
einen Strich durch die Rechnung.
Ende 2007 hatte ich mir überlegt,
wie ich das erste Laufquartal 2008 am besten und interessantesten
gestalten könnte. Auf jeden Fall sollte es neues Terrain
im Programm geben. Was liegt näher, als nach zwei Wüstenläufen
die Regenwälder als Herausforderung zu wählen. Der Dschungelmarathon
in Costa Rica - vom 27. Januar bis zum 2. Februar -
hat sich da geradezu angeboten. Um mich auf die Hitze
Mittelamerika`s vorzubereiten habe ich mich, als absoluter
Indien-Fan, zum Mumbai Marathon am 20. Januar angemeldet.
Ich konnte mich in Mumbai an die Hitze gewöhnen und
hatte in Costa Rica mit sehr schwierigem, abwechslungsreichem
Terrain und extremer Witterung zu kämpfen. Von tropischen
Regenfällen bis hin zur wüstenähnlicher, trockenen Hitze
war alles dabei.
Beide Läufe bewiesen sich in der Tat als exzellente
Vorbereitung auf meinen dritten Marathon des Sables,
welcher vom 30. März bis zum 5. April 2008 stattfinden
sollte.
Nach dem Dschungellauf in Costa Rica habe ich erst einmal
zwei Wochen Laufpause eingelegt. In den vier verbleibenden
Wochen habe ich mich - zwecks Ausdauer - (auch die mentale!)
auf 2 längere Läufe (je 40 km) pro Woche konzentriert.
Durch die Erfahrung der letzten zwei Wüstenläufe, ist
es mir auch gelungen, einiges an Gewicht meines Laufrucksackes
einzusparen! Also, ich habe mich außerordentlich auf
den MdS 2008 gefreut. Ich hatte den ganzen Winter sehr
hart trainiert, mich gut ernährt und war super drauf.
Alles lief so gut, sowohl mit meinen Töchtern als auch
bei der Arbeit. Ich dachte, dieses Jahr womöglich unter
die ersten 20 Frauen finishen zu können.
Am Start des MdS zu stehen ist
ein unglaubliches Gefühl. All die Vorbereitungen, alles
was man dafür geleistet hat, geht einem noch einmal
durch den Kopf. Und endlich geht's 3 - 2 - 1 - los…!
Der MdS hatte begonnen und fing gleich hammerhart mit
den Merzouga-Dünen an. Wunderschön diese Dünen, aber
wie das Laufen dort in die Oberschenkel geht! Danach
die einfacheren Steinfelder. Etwas später ging es dann
steil bergauf auf ein Steinklippe. Dort oben hatte man
eine unglaubliche Aussicht, also raus mit der Kamera.
Genau in dem Moment schoß aus dem Nichts ein Engländer
hoch, erreichte die Spitze, rutschte aus und erwischte
mein rechtes Bein mit voller Wucht.
Dadurch knallte mein rechter Fuß schmerzhaft zwischen
zwei Steine............. Ich war natürlich erschrocken,
konnte aber ohne größere Schmerzen die Etappe finishen.
Im Camp - nachdem die Muskulatur sich abgekühlt hatte
- kamen dann die Schmerzen. Die Hoffnung, dass diese
bis zum nächsten Morgen verschwunden sein würden erfüllte
sich leider nicht.
Am nächsten Tag, bei der 2. Etappe, hatte ich relativ
starke Schmerzen. Ich versuchte diese mit einer gehörigen
Portion Paracetemol zu unterdrücken, was bis CP2 so
leidlich gelang. Zwischen Checkpunkt 2 und Checkpunkt
3 wurden die Schmerzen aber so stark, daß ich nur mit
starkem Humpeln die Etappe zu Ende "laufen" konnte.
Spätestens jetzt dachte ich ernsthaft über ein Aussteigen
aus dem Rennen nach. Ich wollte es aber immer noch nicht
wirklich wahrhaben. Wollte nicht ernsthaft darüber nachdenken,
wirklich aus dem Marathon des Sables auszusteigen. "Nein,
du gehst morgen an den Start" sagte ich mir.
Genau
das tat ich - aber mit einem Kloß im Hals. Irgendwie
wußte ich, diese Etappe würde ich nicht zu Ende laufen
können. Fünfzehn Minuten nach dem Start, 3 km vor dem
nächsten langen Dünenabschnitt, hatte ich schon das
Gefühl ziemlich weit hinten zu sein. Es war mir egal,
Hauptsache ich laufe und komme voran. Keine Minute später
hörte ich etwas, was sich wie eine Kuh anhörte.
Ich drehte mich um und erlebe den
Schock meines Lebens. Keine fünf Meter hinter mir standen
die beiden "Besenkamele" mit ihren Treibern! Ich hatte
meine Musik an und deshalb nicht gehört wie sie mir
wohl immer näher gekommen sind. Erst jetzt wurde mir
klar - ich laufe so langsam, dass sogar die "Besenkamele"
Rücksicht auf mich nehmen! Mein Fußgelenk tat inzwischen
sehr weh und ich humpelte stark. Zu diesem Zeitpunkt
musste ich mir eingestehen, dass ich es niemals bis
ans Ende der Etappe schaffen würde.
Die Entscheidung am nächsten Checkpunkt
aufzuhören, meine Startnummer abzugeben war gefallen…
Nach neun weiteren, endlosen Kilometern habe ich genau
das getan. Aber erst nach langem Überlegen. Die Ärzte
haben sich so sehr angestrengt, mich davon zu überzeugen,
daß sie mich vollpumpen könnten mit Schmerzmittel, um
ein "problemloses Laufen" zu ermöglichen. Irgendwas
in mir hat aber gesagt:, "du machst die Verletzung nur
noch schlimmer....... hast noch viel vor dieses Jahr....
hör jetzt auf. Du hast auch zwei MdS Finisher-Medaillen
im Regal zu Hause. So schwer es dir fällt, steige hier
aus dem Rennen aus!"
Mit Tränen in den Augen überreichte
ich dem Arzt meine Startnummer. Ich konnte es nicht
glauben....... In den nächsten Tagen war es war dann
schwer, morgens anstatt an den Start zu gehen, mit einem
Jeep ins nächste Camp zu fahren. Es hat aber auch gut
getan in der Sahara zu sein, die außerordentlich schönen
Wüstenlandschaften, Naturgewalten und Abgeschiedenheit
zu genießen. Deswegen war ich ja auch in die Sahara
gekommen. Nun konnte ich den MdS einmal von einer ganz
anderen Seite erleben. Die permanenten Schmerzen im
Fußgelenkt bestätigten, dass es die richtige Entscheidung
war aufzuhören, denn ab diesem Punkt konnte mein Fuß
anfangen zu heilen. Die super netten Menschen, die ich
um mich herum hatte, meine Zeltmitbewohner, Zeltnachbarn,
andere Läufer und MdS-Mitarbeiter die mir so gut zuredeten,
ließen mich bis zum Ende der Woche jegliche Enttäuschung
und Trauer vergessen. Das ich mich auch richtig verhalten
hatte bekam ich am Zieleinlauf in Tazzarine zu spüren.
Unzählige Läufer sagten mir, es sei so schön, daß ich
sie - nach dieser sehr schwierigen Ausgabe des Marathon
des Sables - am Zieleinlauf empfangen habe. Das tat
vielleicht gut!
Ob ich wieder am MdS teilnehme wird sich in den nächsten
Monaten entscheiden. Es warten schließlich viele andere
interessante Läufe auf mich. Eins stimmt mich aber schon
heute aber richtig euphorisch: ich bin soeben das erste
Mal gelaufen - ohne Schmerzen! Bis übernächste Woche
hoffe ich, mein normales Laufpensum wieder zu erreichen,
denn der 24-Stunden
Lauf für Kinderrechte
(Juli), der Taj
Mahal Marathon
in Indien (September),
der Polarkreis
Marathon in Grönland
(Oktober) und der Boa
Vista Marathon
auf Kap Verde bei Afrika (Dezember) warten auf mich!
Ganz lieben Gruß,
Eure Brigid
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