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April 2009


Bericht von Brigid Wefelnberg
Brigid Wefelnberg ist als fünfte Frau ins Ziel gelaufen!




Starker Ausstieg aus der Zivilisation:


» Anreise: Noch nie gestaltete sich die Anreise für ein Laufevent so abenteuerlich und anstrengend wie jetzt beim Atacama Crossing. Und: Noch nie hat sich so eine lange Anreise gelohnt!
Am 23. März fuhr ich nach Frankfurt, bin von dort nach Madrid geflogen, wo sich eine sehr bunte Läufermischung traf ( von Wales bis Japan). Wir flogen dann 14 Stunden lang nach Santiago de Chile. Dort hatten wir einen 6-stündigen Aufenthalt. dann ging es weiter nach Calama, einem Flugplatz am Rande der Atacama Wüste.

Sehr sehr teuere Rosinen:
Wie, Rosinen..?! Also, da Chile sehr strikte Einfuhrregeln hat – checken die Zollbeamten am Flughafen Santiago (tja, wenigstens teilweise) sehr gründlich nach verbotenen Substanzen und Lebensmitteln. Dazu gehört leider das, wovon man sich eine Woche lang in der Wüste ernähren muß – "Gefriergetrocknetes Alles"

Ich hatte alles, was der Herr Zoll-Gott verboten hat in meinem Handgepäck, unter anderem Parmesankäse und Beef Jerky. Die hätten eine richtige Party mit uns haben können, hätten sie unser Gepäck richtig gecheckt. Es sollte nicht so weit kommen, denn ich hatte meine Laufschuhe an der Schulter hängen, und darin eine Tüte Nuß-Mischung mit 20g Rosinen. Rosinen seien hochgradig verboten. Nach den ganzen Reisestrapazen wurde ich sofort zur Flughafenpolizei genommen und eine Stunde verhört, gefragt was ich mir dabei gedacht hätte, Rosinen nach Chile einzuführen. Die Frau neben mir “saß“ wegen einem kleinen Apfel.

Lange Rede, kurzer Sinn, am Ende des Verhörs hieß es, ich hätte $ 200 Strafe zu zahlen, oder ich müsste wieder nach Deutschland zurückfliegen.
Mein Gott!! Ich konnte es nicht glauben, kam aber nicht drum herum und zahlte die $ 200. Mit 5 unterschriebenen Dokumenten in der Hand (es soll ja einen wichtigen Eindruck machen) machte ich mich auf – mit 4 Säcken Sachspenden - Richtung Gate 15.
Willkommen in Chile!

Naja, alles was danach kam ließ den Ärger vergessen, denn der Flug über die Atacama Wüste nach Calama im Norden Chiles nimmt einem den Atem – man konnte schon von oben sehen, was auf einen zukommt…

Flitterwochen…?

Am Wüstenflugplatz Calama angekommen, ging’s erst mit einem Kleinbus nach San Pedro de Atacama (2500 m ü NN), wo ich in einer schnuckeligen kleinen Jugendherberge gebucht hatte. Rob O’Brien, ein Läufer aus Irland, hatte nichts gebucht und ist einfach mit mir ausgestiegen. Es stellte sich heraus, daß sie doch keine Gemeinschaftszimmer hatten mit mehreren Frauen oder Männern, wie ich reserviert hatte, sondern nur die Flitterwochen-Suite! Nach 28 Stunden Reisen wollten wir beide uns nur aufs Ohr legen und nahmen (um Himmels Willen) die Flitterwochen-Suite – sehr amüsant fanden die anderen Läufer am nächsten Tag.

FKK im Kindergarten

Gleich am nächsten Tag habe ich dafür gesorgt, dass die vielen Sachspenden die ich dabei hatte,
gut verteilt wurden. Rob und ich schleppten die Säcke von der Jugendherberge zum Schulzentrum und meldeten uns bei der Direktorin. Eine Lehrerin der Grundschule holte 2 Säcke zu sich ins Zimmer und die anderen brachten wir zum Kindergarten. Die Leiterin des Kiga war neugierig, was so alles aus Deutschland gespendet wurde, also haben wir angefangen, die Säcke auszupacken.

Auch neugierig, sammelten sich Kinder zwischen 1,5 und 4 Jahren um uns. Schnell verstanden sie, daß sie etwas bekommen sollten udn begannen, die Sachen einfach zu nehmen und sich auszuziehen. Was für ein Spaß hatten sie, sich nackig zu machen und alles mögliche anzuprobieren! 3 machten sich – bis jeweils auf ein Paar neue Schuhe – komplett nackig und davon nach draußen.
Alle haben sich gefreut. Eine unglaublich lustige, schöne Erfahrung. Sie haben mir ein ganz großes Dankeschön mitgegeben nach Freiburg an alle, die mir etwas mitgegeben haben.

Jetzt wird’s ernst…
Nach 3 Tagen in San Pedro war’s endlich soweit. Am Samstag, dem 28. trafen die knapp 90 Läufer aus 25 Ländern für die administrative und Ausrüstung-Checks im Hotel Don Thomas ein. Mir wurde ganz anders beim Lesen des Event-Haftungsausschlusses. Schnell wurde mir klar, meine Sehnsucht nach Abenteuer wird doppelt gestillt.

Alles, aber alles im Rücksack wurde nach der Pflichtausrüstung geprüft. Nervosität lag in der Luft. Die Sorgfalt der Verpackung lebenswichtiger Utensilien variierte zwischen klinisch perfekt und abstrakt künstlerisch.

Auch die Waage verzeichnet signifikante Unterschiede. Rucksäcke, die während des gesamten Rennens getragen wurden wogen zwischen 6,2 und 15 Kg. Vorzeigen mußten wir u.a. Essen für 7 Tage, Notausrüstung, 2 Stirnlampen, Batterien, Kompaß, Apotheke für alles, was auf der Strecke nur passieren könnte, Elektrolyten, Wassersysteme, warme Kleider, Schlafsack. Wem was gefehlt hat mußte es innerhalb von einer Stunde besorgen oder mußte mit Strafstunden rechnen.
Mondlandung mit Verdauungsproblemen

Es folgte eine abenteuerliche Fahrt in die Wüste zum ersten Camp. Eine unglaublich holprige Fahrt an Vulkanen vorbei und durch Schluchten. Es war eine dieser Fahrten, bei den man sich hinterher fragt, ob sein Skelett noch ganz sei. Der erste Camp lag auf 3400 m, und das hat man gleich gespürt. Deutlich kühler war’s, aber immer noch sonnig und sehr warm. Die Zelte waren schon aufgebaut. Die Landschaft war wie man sie auf dem Mond vorstellt. So kam man sich auch vor. Wir genossen ein leckeres chilenisches Essen vom Grill, unser letzte richtige Mahlzeit, die manchen leider - zusammen mit der Höhe – sehr zum Verhängnis wurde.
7 Glücksgriffe und eisigkalter Sonnenschutz
Habe ich Glück gehabt mit den 7 Zeltkumpeln: 2 Australier (Top-Läufer und Kangeru-Züchter), 1 Schweizer (Käsemeister), 2 (nicht schnatternde!) Italiener, ein Däne (Steuerfahnder), ein Kanadier (Zahnartz, wie günstig!) und ich (Schlitzohr) bildeten einen bunten, quirligen Haufen. Die Kameraderie war einmalig unter uns. Es ging die ganze Woche abends sehr lustig zu, was nach den hammerharten Etappen sehr wichtig war.

Die erste Nacht hatten wir minus 8 Grad – kein Kommentar. Wir haben alle gefroren wie sau. Nur wenige Wettkämpfer machen in dieser ersten Nacht vor dem Start ein Auge zu. Gott sei dank ging die Sonne recht früh auf, denn die Kälte hat’s uns schwer gemacht, fürs Rennen fertig zu machen. Ich mußte mich bei null Grad mit eisigkaltem Sonnenschutz eincremen, denn ich wußte, es wird sehr heiß. Was ich nicht wußte war, wie aggressive die Sonne in der Atacama sein kann und habe die Hinterbeine nicht eingecremt – ein großer Fehler.
Vorahnung?
Während ich ganz gründlich meine 9,5 kg Ausrüstung richtete und nebenbei ein Protein-Milkshake trank, tauchte aus dem nichts eine einheimische Musikgruppe und stimmte uns mit chilenischer Musik auf den Start ein. Dann bewegten wir uns Richtung Start. Als wir den Start näherten, fiel uns auf, daß hinter dem Startschild kein Boden war.
Wir sollten tatsächlich in einen 5 Meter tiefen Abgrund starten. Es breitete sich eine große Aufregung aus. Jeder überlegte sich eine Strategie bis zum Startschuß. Ich fragte mich ob die acht Läufer, die bereits vor dem Start des Atacama Crossing freiwillig ausschieden vielleicht geahnt haben, was sie in den darauf folgenden 250 km zu Fuß mit vollem Gepäck da draußen hätten bewältigen müssen…
6 lange Tests – Survival of the fittest

» Etappe 1: Etappe 1 (38.8 km) – Adrenalin pur – 3, 2, 1 los! Nachdem wir alle irgendwie den ersten Abgrund überwunden haben gings über Stock und Stein bergauf bis zu einer Schlucht, bei der es eine überraschend anstrengende Kletteraktion gab. Mir taten diejenigen leid, die mehr als 11 kg auf dem Rücken hatten. Danach gings sehr steilbergab auf sehr rutschigem Steinboden.
Orientierung war zuerst nicht nötig, denn wir waren am Anfang ziemlich dicht aneinander. Erst später, wo sich das Läuferfeld auseinandergezogen hat wurde es etwas happig. Teilweise war man mutterseelenalleine und mußte den Weg finden. Die Temperatur stieg stetig und die restliche Etappe haben wir unter der unerbärmlichen Sonne verbracht. Der Durst kam schnell und man mußte das Wasser, Salztabletten und Elektrolyten gut einteilen. Keine Aussicht auf Schatten, außer kurz jeweils bei den 3 Checkpunkten. Dort hat man 1,5 Liter Wasser bekommen, Schmerzmittel (wenn nötig), ein bißchen Schatten under einem Schirm, ein gutes Wort und hat sich dann so schnell wie möglich auf den Weg gemacht.
Der Weg schlängelte sich durch einige Schluchten und über Geröllfelder, ziemlich blöd zum Laufen. Das letzte Stück ging stundenlang bergauf auf einer Sandstraße bis zum 3. Checkpunkt – ich dachte, ich hätte mich verlaufen, denn der CP kam und kam nicht und die Sonne wurde stärker und stärker. Kurz hielt ich immer wieder in dem kleinen bißchen Schatten an, den die Klippen boten. Aber es half alles nichts. Es ging endlose weiter, bis endlich CP 3 plötzlich auftauchte. Von dort aus waren es nur noch 3.8 km bis zum 2. Camp, das am Horizont zu sehen war. Müde und total hungrig liefe ich so schnell es nur ging ins 1. Ziel, wo 2 meiner Zeltbewohner auf mich warteten und meine 3 Wasserflaschen bis zum Zelt für mich trugen.

Es war jeden Tag eine sehr große Freude, ins Ziel zu laufen und sich zu den anderen im Zelt oder am Lagerfeuer zu gesellen und Geschichten zu erzählen von der Etappe oder einfach aus dem Leben. Unser Zelt (jedes Zelt) sah immer aus wie bei 8 Hempels unterm Sofa, was sehr zum Humor im Camp beitrug. Laufsachen und Rücksackinhalte kreuz und quer. Geduscht wurde die ganze Woche nicht, höchstens ein bißchen mit Feuchttüchern abgewischt. Die Zähne hat man sich hinterm Zelt geputzt. Der Abend war nie lange, denn alle waren bis spätestens um 20:00 im Bett um uns für die nächste Etappe zu regenierieren.

» Etappe 2: Etappe 2 – (41.8 km). Diese Etappe führt durch eine unglaublich schöne Oase, wo wir überraschend 11 mal einen kleinen Fluß bis auf die Hüfte überquerten und 500 Meter im Fluß liefen. Es war unfaßbar, daß wir in der trockensten Wüste der Welt aufeinmal bis auf die Hüfte in Wasser standen und nasse Rücksäcke hatten. Das hat sich schnell geändert, denn ab dem 1. Checkpunkt wurde alles anders. Das Gelände wurde wieder knochentrocken und die Sonne knallte auf uns nieder. Die Oase kam mir inzwischen wie eine Fata Morgana vor.
Die Etappe führte weiter sehr steil bergauf auf einem schmallen Weg, neben der eine kleine Steinmauer verleif, die einen davon bewahrte, tief ins Canyon zu fallen. Der Weg führte auf eine Bergspitze, wo wir durch einen Tunnel gelaufen sind. Nur das kleine Licht am Ende des Tunnels hat mir teilweise ein bißchen Licht geboten, ansonsten habe ich nichts gesehen. Mein Herz schlug sehr schnell, denn mir sind einige Bilder aus Horrorfilmen durch den Kopf gegangen. Ich lief einfach schnell weiter bis ich aus dem Tunnel raus war. Es ging dann sehr steil bergauf auf eine weitere Bergspitze und dann am Kamm entlang auf einer Schotterpiste. Sehr sehr anstrengend, besonders unter der Mittagssonne bei 42 Grad. Der Lohn war eine riesige Düne, die wir bergab laufen bzw. rollen dürften.

Ein Engländer geht ein – ein Star verläuft sich
Ab dem 3. Checkpunkt wurde das Laufen sehr anstrengend, denn wir liefen sehr lange durch Sand, Dünen und Geröllfelder, die sich sehr stark von denen in der Sahara unterschieden. Viel schwieriger zu laufen. Ein Engländer stand aufeinmal vor mir, und er sah sehr schlecht aus. Er sagte, er könne einfach nicht mehr und dass ich schnell zum nächsten Checkpunkt laufen und dem Arzt Bescheid geben sollte. Mann, ihm ist das Wasser ausgegangen! Er hatte sich welches über den Kopf geschüttelt. Das macht man nicht in der Wüste, es sei denn, man hat einen Brunnen aufm Rücken.
Ich gab ihm eine kleine Flasche von mir und machte mich auf Richtung CP 3, der nächste Checkpunkt. Es ging ewig lange und bald hatte ich auch ganz wenig Wasser. In der Atacama hat man sehr schnell starken Durst, also hatte immer Kaugummi dabei. Das hilft ein bißchen gegen Durst und hat mir jedenfalls geholfen, auf dem nicht enden wollendem Weg zum Checkpunkt zu schaffen. Sehr erleichtert erreichte ich CP 3 und erfuhr, daß der Arzt schon unterwegs war zum Engländer.
Aber nun, wer kommt denn da angelaufen?! Das ist doch Christian Schiester, der Weltklassenläufer aus Österreich! Bin ich so schnell heute?! Wow, vor Christian Schiester im CP 3 anzukommen. Nö nö, er hatte sich um 2 Stunden verlaufen. Auf ihn hat an den Checkpunkten ein Red Bull Fernsehteam gewartet, das ihn nach Chile begleitete um ein Film zu drehen über das Rennen. Er füllte seine Flaschen und düste ab ins Camp, verärgert, daß er so viel Zeit verloren hatte.
Parmesankäse
Habe ich mich aufs Camp und Abendessen gefreut – gefriergetrocknetes Elchgulash mit Parmesankäse, welchen ich an dem Zollbeamten vorbeigeschmuggelt hatte. Was für ein Genuss, mitten in der Wüste Parmesankäse zu essen. Ich gab jedem im Zelt ein kleines Stück. Da haben sich unsere Italiener aber gefreut! Bald haben es andere aus anderen Zelten mitbekommen und standen bei uns im Zelt. Ich konnte das erste Stück gut aufteilen, wollte das 2. Stück schon aufbewahren für die weiteren Etappen.
Heute Abend mußten wir feststellen, daß wir nur noch zur 7 waren. Marco, der Drittplatzierte aus Italien mußte ausscheiden wegen anhaltender Höhenkrankheit und Magenprobleme. Schade, er war Drittbester. Angeblich hat’s noch weitere Ausfälle gegeben und am nächsten Morgen beim Start hat tatsächlich der eine oder andere gefehlt.

Schnatternde Mitläufer
Wüstenstille. Ich freue mich immer so sehr auf die unfaßbare Stille in der Wüste, und manchmal ist es auch still. Manchmal. Also, ich sag’s ja ungern, aber es sind immer wieder die gleichen. Unsere lieben europäischen Nachbarn aus Spanien und Italien. Die schnattern was das Zeug hält. Es hat mich an den Dschungelmarathon in Costa Rica errinnert. Die Spanier und Italiener haben morgens früh und abends spät gequarkt, als würde das auch zum Wettbewerb gehören.
In Chile haben Sie die Welt auch nicht mehr verstanden, wo ein Volunteer sie freundlichst darauf aufmerksam machte, daß alle schon um 20:00 geschlafen hatten und sie darum gebeten haben, ganz leise zu sein, damit alle fit sind für die nächste, sehr anstrengende Etappe. Aber mitten in der Nacht, wo man kurz austreten mußte, war es immer ohrenbetäubend still…

» Etappe 3: Etappe 3 – (40 km). Heute ging es wieder sehr zur Sache, das Terrain, die verkrustete Erde, die steile Anstiege in den Dünen, die unerbärmliche Sonne. Flimmernde Schotterebenen, gleißend helle Salzebenen, hohe Sanddünen und zahllose enge Schluchten. Jeder Kilometer in der Atacama war teilweise wie 3 auf normalem Boden.
Die schwierigen Stellen, besonders die Salzkristalle, wollten nicht enden. Bei den Salzkrusten und Salzkristallen, die wie unheimlich harte Türmchen waren und die die Schuhe regelrecht angefressen haben, hat man sich am längsten Aufgehalten. Dort mußte man sich am intensivsten konzentrieren und am meisten mentale Stärke zeigen, denn das Terrain hat sich über einige Kilometer gezogen und konnte richtig an den Nerven zerren. Eine falsche Bewegung konnte leicht zum Ausschuß aus dem Rennen führen.
Es ging ganz schön an die Füße und Gelenke, so das die Ärzte abends sehr gefragt waren. Das Zelt der Ärzte war jeden Abend noch lange hell und von schmerzverzerrten Gesichtern geprägt. Verenkungen und Blasen, Blasen und mehr Blasen in allen Größen und Variationen. Zehnagelverlust bei mir bis heute: 3 Stück

» Etappe 4: Etappe 4 – (42.8 km). Die vierte Etappe führte durch die weiten Salzebenen und stellte eine der größten Herausforderungen dar. Knietief krachten die Beine in die scharfen Salzkrusten und rissen so manche Laufschuhe samt Gamaschen in Stücke. Das tat besonders weh an den Hinterbeinen, die ich vergessen hatte, einzucremen.
Ich hatte meine Gamaschen an den Schuhen mit Industrie-Klebeband umwickelt und beides damit davon bewahrt, vollig von der sehr schwierigen Salz- und anderen Krusten zerstört zu werden. Unglaublich, was die Schuhe bei dieser Etappe aushalten mußten. Meine Schuhe können inzwischen die unglaublichsten Geschichten erzählen und sind bestimmt unfaßbar froh, daß dieses Rennen vorbei ist.

» Etappe 5: April April
Etappe 5 – (76.8 km). Große, sehr große Aufregung, denn jetzt geht’s um die Wurst. Die lange Nachtetappe. Gestern war der 1. April. Also, der Tag verlief ohne besondere Vorkommnisse, keiner hatte sich irgendwelche Aprilscherze ausgedacht – dachte ich.
Abends verschwanden, ohne daß die Opfer es merkten, ein paar einzelne Schuhe. Auch einer von mir. Stell dir mal vor, wie es mir ergangen ist, wie ich am nächsten Morgen aufwachte, mich auf diese so wichtige, alles entscheidende Nachtetappe vorbereitete und feststellen mußte, daß einer meiner Laufschuhe fehlt. Shit!!! Der Täter gab sich bekannt und ging auf die Wüstentoilette, wo er 3 einzelne Schuhe versteckt hatte, um die an die Besitzer zurückzugeben.

Mit großem Erschrecken mußten er und wir feststellen, daß u.a. die Toiletten schon abgebaut und abtransportiert wurden. Ziemlich entrüstet mußten 3 von uns mit einem Laufschuh und einem Flipflop an den Start der langen Etappe gehen. Ich war so verärgert, aber trotzdem fest entschlossen, diese Etappe, so schwer das Terrain sein würde, zu absolvieren, auch mit einem Laufschuhe und einem FlipFlop. Ich zog die Gamasche drüber und klebte das ganze wieder mit Industrieklebeband und machte mich auf den Weg. Ich kam nur langsam voran und kochte innerlich – das mußte jetzt unbedingt passieren.

Was für eine geniale Überraschung, am 1. Checkpunkt die Schuhe wieder zu sehen!!!! Der Chilene, der die Toiletten abgebaut hatte, hatte sie einfach mit eingepackt und klugerweise am ersten Checkpunkt abgegeben. WAHNSINN!!! Ich habe mich nie so sehr über einen alten Laufschuh gefreut! Ich hatte einiges an Zeit verloren, aber war umso mehr entschlossen, bei dieser Etappe eine gute Zeit zu laufen, oder wenigstens durchzulaufen und nicht irgendwo zu schlafen.
Ein süßer Kick

Die 76,8 Kilometern waren eingeteilt in 15 km Strecken zwischen den Checkpunkten
und geprägt von endlosen Salzebenen und Verkrustungen, riesigen Sanddünen, sehr unebenen Hochplateus. Überraschend gab’s am 2. Checkpunkt eine Dose Coke! Eine willkommene Abwechslung zum Wasser und den Elektrolyten. Daß sie sehr warm war hat niemanden gestört.
Nachdem ich meinen Schuhe wiederbekam war ich wie neugeboren und war fest entschlossen, durchzulaufen ohne große Pausen. Gegen späten Nachmittag kam ein Monsterdüne auf uns zu, gefolgt von einem recht langen Hochplateu mit großen Steinen. Beides zerrten nochmal die an den Kräften.
Es war sehr wichtig ab diesem Zeitpunkt viel zu essen, denn die Kälte setzt sich in der Wüste sehr schnell ein und der Stoffwechsel ist auf Hochturen. Es müssen Kalorien her, sonst gerät man leicht auf einen Hungerast – so wie ich beim Marathon des Sables 2007 – wo ich mich höchstens ins Ziel schleppte. Von Laufen konnte damals keine Rede mehr sein.
Ich fühlte mich aber super, aß nach dem Hochplateu eine Packung Beef Jerky, ein großes Stück Parmesankäse, eine kleine Packung Gummibären, mischte wieder ein Elektrolyten-Cocktail und machte mich schnell auf den Weg, denn es wurde schnell Dunkel. Ich setzte die Stirnlampe auf und die rote Lampe – die ist vorgeschrieben, so daß die anderen Läufer einen von Hinten sehen zur Orientierung. Wenn sich der vor einem nicht verläuft.

Ich freute mich sehr über einen neuen Energieschub und lief mit guter Geschwindingkeit zum 15 km entfernten nächsten Checkpunkt, füllte meine Wasserflaschen und ging sofort weiter. Es war inzwischen stockdunkel und man erkannte den weiteren Weg bloß an wenigen Leuchtstäben am Wegesrand. Zeitweise mußte ich die Stirnlampe ausmachen, daß ich die Stäbe, die inzwischen etwas schwächer geworden waren, überhaupt sehen konnte.
Komisch, bei diesem Rennen erlebte ich nicht den berühmten Punkt, wo man sich fragt, ob man ganz dicht ist und wo man meint, nicht weiter zu können. Ich genoss während dem ganzen Rennen eine ungeahnte Kraft, zügig weiter laufen zu können und nutzte es voll aus, wobei ich gleichzeitig natürlich sehr vorsichtig war, die Kräfte so einzuteilen, daß ich das Endziel gut erreichen konnte.

M&Ms und Raupen
Am letzten Checkpunkt vor dem Camp, kurz vor dem spektakulärsten und abenteurlichsten Teil der Etappe bekam ich eine Hand voll M&Ms mehr Wasser und wurde vom Arzt gefragt, ob ich einige Stunden schlafen wolle. Dort zeichnete sich ein düsteres Bild ab. Dunkle Schatten lagen in Schlafsäcken gehüllt, wie Raupen, am Boden. Eisiger Wind ließ die erschöpften Muskeln in kurzer Zeit auskühlen und jeder Kilometer wurde zur Ewigkeit. Also haben sich einige niedergelegt, um Kräfte zu sammeln für das letzte Stück bis zum Camp.

Es kam mir gar nicht in den Sinn, mich an diesem Checkpunkt aufzuhalten. Nur noch 11,7 kms und die Nachtetappe war vorbei. Mir war klar, daß wenn ich mich aufmache, daß ich das letzte dunkelste und gefährlichste Stücke alleine bewältigen mußte. Mir taten die Füße inzwischen ganz schön weg, aber ich wußte, wenn ich Pause mache, wird es mir umso schwerer fallen, weiterzulaufen.

Also ließ ich einige schlafende, kraftlose Läufer zurück und machte mich auf den Weg zum Camp. Einandhalb Stunden schätzungsweise – dachte ich. Es wurden noch 3 endlose Stunden. Ich lief eine kleine Straße sehr steil bergauf bis auf eine weitere Hochplateu, unter der atemberaubenster Sternhimmel, den ich je gesehen habe. Ich machte immer wieder die Stirnlampe aus, um so mehr vom Himmel zu haben.
Eine unheimliche Erfahrung war es, ganz alleine wieterzulaufen durch die Nacht aber ich genoss die absolute Stille und den Umriss der ungewöhnlichen Berge vor mir, der besonders durch den Halbmond ein besonderes Bild gab. Ich hielt einige male an, um einfach die Stille zu geniessen. Der Weg ging links von der Straße weg, erkannte ich an den anderen Fußspuren. Viel konnte ich nicht erkennen vom Weg vor mir, aber genug zu erkennen, es wird sehr schwierig.
Eine königliche Portion Abenteuer
Nach einigen Kletteraktionen durch mehrere kleinere Schluchten in dieser unwirklichen Mondlandschaft stand ich auf einmal auf einer offenen Sandfläche umgeben von schroffen Bergenspitzen. Sofort erkannt ich daß im berühmten und unheimlich schönen Valle de la Luna, Tal des Mondes, stand. Ich blieb 5 Minuten stehen, nicht um Kräfte zu sammeln, sondern zu vergegenwärtigen, an was ich für einen besonderen Ort stand. Ich ließ der Ort kurz auf mich wirken, daß ich dieses Gefühl ganz tief verinnerlichen konnte. Dann setzte ich meinen Lauf ins Ungewisse fort.

Der letzte Abschnitt erklärte im höchsten Maße den 5-Seitigen Haftungsausschluß des Veranstalters. Ich erkannte nur schlecht den Weg und mußte mich schwer zusammenreißen, denn es hat angefangen mir etwas Angst zu machen. Habe ich Angst gesagt…? Der Weg wurde zu einem endlosen Labyrinth, und einige Stellen waren nur durch waghalsigen Kletteraktionen an Wänden passierbar, denn der Weg geradeaus stellte sich häufiger als Abgrund heraus.
Der Boden war sehr uneben und nur mit hoher Konzentration auf jeden Schritt waren Verrenkungen und andere Verletzungen zu vermeiden. Noch nie mußte ich mich so sehr auf meine mentale Stärke verlassen wie an dieser Stelle. Ich war inzwischen sehr erschöpft. Ich hatte schon seit dem Start 13 Stunden sehr schwieriges Terrain hinter mir.
Friß oder stirb

Aber es half alles nichts – ich mußte mich zusammenreißen. Aufeinmal saß jemand mitten im Weg im Schlafsack. Er sollte uns Anweisungen geben für die schwierigste Stelle. „Hallo, wer ist da?“ sagte jemanden, den ich nicht erkennen konnte. „Brigid from Germany“ antwortete ich, gespannt, was als Nächstes kommt. „Hi Brigid. Ich werde dir an diesem Abgrund vorbeihelfen – platziere die Füße, wo ich dir sage.“ Ich schaute mir den Abgrund an. „Das ist nicht dein Ernst, oder? Wie tief ist der Abgrund?“ fragte ich im Unglauben. „Willst du nicht wissen.“
Ich kapierte schnell, daß mein Erreichen des Endziels des Atacama Crossing davon abhing, ob ich die Nerven bewahren könnte an diesen 4 Meter Wand am Abgrund vorbei erklettern konnte. Ich wollte Abenteuer, jetzt hatte ich eine königliche Portion bekommen. Um 1:00 nachts. Nach 13 Stunden laufen.
Ich hielt mich fest und folgte genau seinen Anweisungen, Schritt für Schritt, mich nach vorne lehnend so weit es ging. Ich schaute einmal in den Abgrund – ahhhhhhh! - und stieg einfach weiter, so ruhig ich nur konnte. Das schafft’s du, das schafft’s du. Am Ende der Wand angekommen atmete ich ganz tief durch, bedankte mich für die Hilfe und lief weiter. Er sagte, es würde nochmal so eine Stelle geben, nach ungefähr einem Kilometer. Der Abgrund sei tiefer aber die Wand, die man dann erklettern mußte, sei „nur“ 2 Meter lang. Mir wurde ganz anders.
Déjà vu
Ich liefe weiter einer Spur von Leuchtsticks entlang, inzwischen in eisiger Dunkelheit, und dachte nur an eins – die nächste Kletteraktion hinter mich zu bringen und ins Camp zu laufen. Dann passierte etwas unfaßbares – meine Stirnlampe ging aus (hmmm, kenn ich irgendwo her…) und nahm keine neue Batterien an!
Verzweifelt suchte ich im Dunkeln im Rücksack in dieser Schlucht mitten im Nirgendwo nach meiner 2. Stirnlampe, die gott sei dank zur Pflichtausrüstung gehörte. Die erste Lampe war die Starke, die 2. ließ sehr zu wünschen übrig, könnte mich trotzdem durch diese Schlucht bringen.
Zwischen der ersten and zweiten Kletterstelle, die nach ca. einem Kilometer erschien, war ich absolut nervös, fast den Tränen nah. Ich hätte an der ersten nicht in den Abgrund schauen sollen. Aber nun, ich mußte die 2. Stelle passieren, oder aus dem Rennen scheiden. Es gab nur diesen einen Weg durch diese verdammte tiefe Schlucht.
An der zweite Stelle waren zwei Helfer, was mich nervöser machte aber beruhigte mich zugleich. Mehr helfende Hände. Diesmal gings darum, wie bei der ersten Kletterstelle angekündigt, ca. 2 Meter der Mauer entlang zu klettern über einen noch tieferen Abgrund. Ich schaltete alles nach unten aus, als gäbe es keinen Abgrund, und kletterte so schnell und so vorsichtig wie ich nur konnte.
Drüben angekommen ließ ich ein Schrei der Erleichterung los. „Versprich mir, daß es nur noch 2 kms sind bis zum Camp, bitte!! Ich bin echt erledigt“ sagte ich. „Versprochen“ sagte mir der Engländer. Komisch, dachte ich. Letztes Jahr hat mich das Ausrütschen eines Engländers den Marathon des Sables gekostet, hier in der Atacama verhalf mir einer zum Ziel durchzukommen…
Ich bedankte mich bei den beiden und düste weiter. Ich wußte, das Camp ist nah und bin an die letzten Reserven gegangen. Man könnte hier rennen, die Schlucht war gemeistert! So schnell es nur ging sprintete ich weiter, den kaum noch zu erkennenden Leuchtstäben nach und auf einmal, nach einer Kurve war das Ziel – noch nie war ich so froh, eine Etappe zu Ende zu bringen. Es war 1:30 morgens. Ich hatte genau 17 Stunden 35 gebraucht.
Ich war 4. im Zelt, die anderen waren noch auf der Strecke oder am letzten Checkpunkt geblieben. Ich habe versucht zu schlafen, wälzte aber nur hin und her, also bin ich zum Lagerfeuer und habe mir eine ganz große Portion gefriergetrocknete Nudeln Bolognese gemacht und tauschte die genialsten Erfahrungen aus mit den Etappen-Finishern. Alle sahen ziemlich arg erschöpft aus, aber unheimlich zufrieden, denn das Längste und Schlimmste war geschafft.
Ruhetag

Der nächste Tag
war der wohl verdiente Ruhetag. Wir haben den Tag damit verbracht, die restlichen Läufer ins Camp zu begrüßen, die die Nacht und teilwiese bis zum Mittag noch gebraucht haben und sonst zu verarbeiten, was wir alles in den letzten 5 Etappe alles durchgemacht hatten. Ich habe überlegt, ob ich 2 Stunden schneller gewesen wäre, wäre mein Schuh nicht Opfer des Aprilscherzes gewesen. Aber eigentlich war es mir egal, denn ich hatte 240 kms hinter mir, der Rest war unwichtig.

Ich schaute im Cyberzelt nach meinen Mails, wie nach den anderen Etappen, bloß diesmal hatte ich mehr Zeit, konnte die neuen Mails – und die alten – in Ruhe lesen. Erstaunlich wie viele es waren und wie gut es getan hat zu sehen, wieviele Leute das Rennen verfolgt haben.
Ich blätterte weiter zu den Ergebnissen – ich dachte ich sehe nicht richtig: ich war vorgerutscht auf Platz 5 bei den Frauen! Ich konnte es nicht glauben, denn die Konkurrenz war sehr stark!
Ich hatte die ganze Zeit auch nicht so ganz mitbekommen, wieviele ausgeschieden waren aber inzwischen war fast ein Drittel des Läuferfeldes aus dem Rennen. Sie taten mir leid, denn jeder, der an solchen aufwendigen Ultramarathons teilnimmt weiß, wieviel Training, Vorbereitung und Kosten sie mit sich bringen. Und dann einfach auszuscheiden, das ist hart. Leider gibt einem keiner eine Garantie, daß alles stimmen wird, besonders wo die Umweltbedingungen, die Beschaffenheit des Untergrunds und die Wirkung der Sonne so extrem sind. Die Atacama liegt zusätzlich auf einem Plateau und der höchste Punkt des Kurses dadurch auf etwa 3.800 Metern. Viele verkraften so einen hohen Lauf nicht.

Den Ruhetag haben wir besonders genossen, nicht nur weil wir nach diesen sehr strapaziösen Etappen uns endlich Erholen durften, sondern weil wir dann viel Zeit hatten, die Freundschaften nochmals zu vertiefen. Man hat bei solchen Erfahrungen mit einem besonderen Menschenschlag zu tun, der versteht, warum man macht was man macht. Ich habe manchmal das Gefühl zu Hause, ein Außerirdische zu sein, denn ich lebe mit einem Fuß im normalen Leben und mit einem Fuß in einem anderen Leben, das sich extrem stark von allem Alltäglichen unterscheidet.
Happy Birthday und eine Spendenaktion

Am späten Nachmittag gab’s ein Wüsten-Gebürtstagsparty für alle, die während der Woche Geburtstag hatten, besonders für Tony aus Neu Zealand, der 2 Tage zuvor 40 geworden war. Ein richtig fetter Kuchen aus San Pedro. War schon komisch nach dem ganzen Gefriergetrocknetem so etwas wie einen frischen Kuchen zu sehen, geschweige essen.
Da wir am nächsten Tag nur die kurze 11 km Etappe noch vor uns hatten, entschieden wir uns, unser übriggebliebene Wüsten-Mahlzeiten und sonstiges an die chilenische Hilfskräfte zu spenden. Wir sammelten alles in eine große Tüte und haben sie überreicht. Sie haben gelacht und waren sehr dankbar. Sie sagten, sie wären traurig, daß sie sich von uns am nächsten Tag verabschieden müßten. Wir sollten alle wiederkommen…

» Etappe 6: Ein kurzer Sprint zum Endziel - ein kleiner Zwiespalt
So daß die Teilnehmer ungefähr zum gleichen Zeit ins Endziel laufen, staffelte der Veranstalter der Start der letzten Etappe. Die letzten 15 Platzierten liefen um 9:00 los, die besten 15 um 11:00 und alles dazwischen um 10:00, auch für mich. Es war schon schwer, mich von dem letzten Camp zu verabschieden, den dieser Abschied ist der letzter aus der Wüste. Ich kann mich immer nur schwer von ihr trennen.
Aber gut, ganz aufgeregt war ich auch, denn die 6. Platzierte Frau war nur 1 Minute 24 Sekunden hinter mir. Ich habe mich gefreut über meinen Ergeiz, so gut zu platzieren wie möglich und habe mich mental darauf vorbereitet, diese Etappe so schnell wie’s geht abzusolvieren. Und das obwohl ich die 6. Frau, Amanda Heading, eine super Läuferin aus England, sehr liebgewonnen hatte. Sie hatte am Anfang zu viel Gas gegeben und war ab der 4. Etappe sehr müde, fiel vom 2. auf den 6. Platz.
3-2-1 los – ab nach San Pedro, Endziel! Der Rücksack war natürlich sehr leicht geworden und weniger Wasser brauchte man für das letzte Stück, also könnte ich Gas geben. Außer ein paar kleineren Kletteraktionen und Aufstiege war die letzte Etappe gut zu laufen. Ich wurde zunehmend aufgeregt, versuchte aber, alles zu geben. Ich kam immer wieder in Versuchung, hinter mich zu schauen, aber ich hab’s gelassen – nur nach vorne schauen, nur nach vorne.
Das letzte Stück ins Dorf San Pedro war eine relativ staubige aber sehr flache Straße. Sehr bald war man am Rande der kleinen Stadt und habe erkannt, daß es nur noch ein 1 km zu laufen war. Mich hat ein Adrenalinstoß gepackt und ich war so aufgeregt, daß ich kurz gehen mußte. In der kleinen Stadt angekommen wurde ich wie alle irre von den Dorfbewohnern angefeuert, ein unglaubliches Gefühl.
Ich schaute mir doch kurz über die Schulter – die nächsten Läufer waren ziemlich weit zurück. Ich holte meine letzten Reserven und lief so schnell ich konnte der Straße entlang, und ums Eck, wo ich das Ziel sehen konnte. Nur noch 200 m, nur noch 100 nur noch 50 m und die letzten Meter habe ich echt geweint vor Freude und lief über die Ziellinie – 250 km geschafft, Medaille um den Hals! Unfaßbar…
Ich lief gleich anschließend ca. 600 Meter zurück und holte die Amanda, der es inzwischen sehr schlecht ging. Ich wollte sicher sein, daß sie es schafft und habe sie an die Hand genommen und lief mit ihr ein 2. mal durchs Ziel.


Nach 6 Etappen läuft Brigid Wefelnberg als fünftplatzierte Frau erschöpft aber glücklich durchs Ziel ! »
"Ein toller Lauf, ..es hat einfach alles gepasst diesmal .." sagte sie

Die täglichen Etappen: »
Etappe 1 hat Brigid Wefelnberg mit 7.13 Stunden Laufzeit beendet.
Etappe 2 (41,8 km) hat Brigid Wefelnberg mit 8.58 Stunden Laufzeit beendet.
Etappe 3 (40 km) hat Brigid Wefelnberg mit 8.51 Stunden Laufzeit beendet.
Etappe 4 (42,8 km) hat Brigid Wefelnberg mit 9.46 Stunden Laufzeit beendet.
Etappe 5 (70.. km) hat Brigid Wefelnberg mit 17.35 Stunden Laufzeit beendet
Etappe 6 (70.. km) hat Brigid Wefelnberg mit 1.32 Stunden Laufzeit beendet
Gesamtzeit: 53.57.15
 
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Der kargste, trockenste und lebensfeindlichste Raum des Planeten

die Atacama Wüste

 
 
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