Starker Ausstieg aus der Zivilisation:
»
Anreise: Noch nie
gestaltete sich die Anreise für ein Laufevent so
abenteuerlich und anstrengend wie jetzt beim Atacama
Crossing. Und: Noch nie hat sich so eine lange Anreise
gelohnt!
Am 23. März fuhr ich nach Frankfurt, bin von dort
nach Madrid geflogen, wo sich eine sehr bunte Läufermischung
traf ( von Wales bis Japan). Wir flogen dann 14 Stunden
lang nach Santiago de Chile. Dort hatten wir einen 6-stündigen
Aufenthalt. dann ging es weiter nach Calama, einem Flugplatz
am Rande der Atacama Wüste.
Sehr sehr teuere Rosinen:
Wie, Rosinen..?! Also, da Chile sehr strikte Einfuhrregeln
hat – checken die Zollbeamten am Flughafen Santiago
(tja, wenigstens teilweise) sehr gründlich nach
verbotenen Substanzen und Lebensmitteln. Dazu gehört
leider das, wovon man sich eine Woche lang in der Wüste
ernähren muß – "Gefriergetrocknetes
Alles"
Ich
hatte alles, was der Herr Zoll-Gott verboten hat in
meinem Handgepäck, unter anderem Parmesankäse
und Beef Jerky. Die hätten eine richtige Party
mit uns haben können, hätten sie unser Gepäck
richtig gecheckt. Es sollte nicht so weit kommen, denn
ich hatte meine Laufschuhe an der Schulter hängen,
und darin eine Tüte Nuß-Mischung mit 20g
Rosinen. Rosinen seien hochgradig verboten. Nach den
ganzen Reisestrapazen wurde ich sofort zur Flughafenpolizei
genommen und eine Stunde verhört, gefragt was ich
mir dabei gedacht hätte, Rosinen nach Chile einzuführen.
Die Frau neben mir “saß“ wegen einem
kleinen Apfel.
Lange Rede, kurzer Sinn, am
Ende des Verhörs hieß es, ich hätte
$ 200 Strafe zu zahlen, oder ich müsste wieder
nach Deutschland zurückfliegen.
Mein Gott!! Ich konnte es nicht glauben, kam aber nicht
drum herum und zahlte die $ 200. Mit 5 unterschriebenen
Dokumenten in der Hand (es soll ja einen wichtigen Eindruck
machen) machte ich mich auf – mit 4 Säcken
Sachspenden - Richtung Gate 15.
Willkommen in Chile!
Naja, alles was danach kam ließ den Ärger
vergessen, denn der Flug über die Atacama Wüste
nach Calama im Norden Chiles nimmt einem den Atem –
man konnte schon von oben sehen, was auf einen zukommt…
Flitterwochen…?
Am Wüstenflugplatz Calama angekommen, ging’s
erst mit einem Kleinbus nach San Pedro de Atacama (2500
m ü NN), wo ich in einer schnuckeligen kleinen
Jugendherberge gebucht hatte. Rob O’Brien, ein
Läufer aus Irland, hatte nichts gebucht und ist
einfach mit mir ausgestiegen. Es stellte sich heraus,
daß sie doch keine Gemeinschaftszimmer hatten
mit mehreren Frauen oder Männern, wie ich reserviert
hatte, sondern nur die Flitterwochen-Suite! Nach 28
Stunden Reisen wollten wir beide uns nur aufs Ohr legen
und nahmen (um Himmels Willen) die Flitterwochen-Suite
– sehr amüsant fanden die anderen
Läufer am nächsten Tag.
FKK im Kindergarten
Gleich am nächsten Tag habe ich dafür gesorgt,
dass die vielen Sachspenden die ich dabei hatte,
gut
verteilt wurden. Rob und ich schleppten die Säcke
von der Jugendherberge zum Schulzentrum und meldeten
uns bei der Direktorin. Eine Lehrerin der Grundschule
holte 2 Säcke zu sich ins Zimmer und die anderen
brachten wir zum Kindergarten. Die Leiterin des Kiga
war neugierig, was so alles aus Deutschland gespendet
wurde, also haben wir angefangen, die Säcke auszupacken.
Auch
neugierig, sammelten sich Kinder zwischen 1,5 und 4
Jahren um uns. Schnell verstanden sie, daß sie
etwas bekommen sollten udn begannen, die Sachen einfach
zu nehmen und sich auszuziehen. Was für ein Spaß
hatten sie, sich nackig zu machen und alles mögliche
anzuprobieren! 3 machten sich – bis jeweils auf
ein Paar neue Schuhe – komplett nackig und davon
nach draußen.
Alle haben sich gefreut. Eine unglaublich lustige, schöne
Erfahrung. Sie haben mir ein ganz großes Dankeschön
mitgegeben nach Freiburg an alle, die mir etwas mitgegeben
haben.
Jetzt wird’s ernst…
Nach 3 Tagen in San Pedro war’s endlich soweit.
Am Samstag, dem 28. trafen die knapp 90 Läufer
aus 25 Ländern für die administrative und
Ausrüstung-Checks im Hotel Don Thomas ein. Mir
wurde ganz anders beim Lesen des Event-Haftungsausschlusses.
Schnell wurde mir klar, meine Sehnsucht nach Abenteuer
wird doppelt gestillt.
Alles, aber alles im Rücksack wurde nach der Pflichtausrüstung
geprüft. Nervosität lag in der Luft. Die Sorgfalt
der Verpackung lebenswichtiger Utensilien variierte
zwischen klinisch perfekt und abstrakt künstlerisch.
Auch die Waage verzeichnet signifikante Unterschiede.
Rucksäcke, die während des gesamten Rennens
getragen wurden wogen zwischen 6,2 und 15 Kg. Vorzeigen
mußten wir u.a. Essen für 7 Tage, Notausrüstung,
2 Stirnlampen, Batterien, Kompaß, Apotheke für
alles, was auf der Strecke nur passieren könnte,
Elektrolyten, Wassersysteme, warme Kleider, Schlafsack.
Wem was gefehlt hat mußte es innerhalb von einer
Stunde besorgen oder mußte mit Strafstunden rechnen.
Mondlandung mit Verdauungsproblemen
Es folgte eine abenteuerliche
Fahrt in die Wüste zum ersten Camp. Eine
unglaublich holprige Fahrt an Vulkanen vorbei und durch
Schluchten. Es war eine dieser Fahrten, bei den man
sich hinterher fragt, ob sein Skelett noch ganz sei.
Der erste Camp lag auf 3400 m, und das hat man gleich
gespürt. Deutlich kühler war’s, aber
immer noch sonnig und sehr warm. Die Zelte waren schon
aufgebaut. Die Landschaft war wie man sie auf dem Mond
vorstellt. So kam man sich auch vor. Wir genossen ein
leckeres chilenisches Essen vom Grill, unser letzte
richtige Mahlzeit, die manchen leider - zusammen mit
der Höhe – sehr zum Verhängnis wurde.
7 Glücksgriffe und eisigkalter Sonnenschutz
Habe ich Glück gehabt mit
den 7 Zeltkumpeln: 2 Australier (Top-Läufer
und Kangeru-Züchter), 1 Schweizer (Käsemeister),
2 (nicht schnatternde!) Italiener, ein Däne (Steuerfahnder),
ein Kanadier (Zahnartz, wie günstig!) und ich (Schlitzohr)
bildeten einen bunten, quirligen Haufen. Die Kameraderie
war einmalig unter uns. Es ging die ganze Woche abends
sehr lustig zu, was nach den hammerharten Etappen sehr
wichtig war.
Die erste Nacht hatten wir minus 8 Grad – kein
Kommentar. Wir haben alle gefroren wie sau. Nur wenige
Wettkämpfer machen in dieser ersten Nacht vor dem
Start ein Auge zu. Gott sei dank ging die Sonne recht
früh auf, denn die Kälte hat’s uns schwer
gemacht, fürs Rennen fertig zu machen. Ich mußte
mich bei null Grad mit eisigkaltem Sonnenschutz eincremen,
denn ich wußte, es wird sehr heiß. Was ich
nicht wußte war, wie aggressive die Sonne in der
Atacama sein kann und habe die Hinterbeine nicht eingecremt
– ein großer Fehler.
Vorahnung?
Während ich ganz gründlich meine 9,5 kg Ausrüstung
richtete und nebenbei ein Protein-Milkshake trank, tauchte
aus dem nichts eine einheimische Musikgruppe und stimmte
uns mit chilenischer Musik auf den Start ein. Dann bewegten
wir uns Richtung Start. Als wir den Start näherten,
fiel uns auf, daß hinter dem Startschild kein
Boden war.
Wir sollten tatsächlich in einen 5 Meter tiefen
Abgrund starten. Es breitete sich eine große Aufregung
aus. Jeder überlegte sich eine Strategie bis zum
Startschuß. Ich fragte mich ob die acht Läufer,
die bereits vor dem Start des Atacama Crossing freiwillig
ausschieden vielleicht geahnt haben, was sie in den
darauf folgenden 250 km zu Fuß mit vollem Gepäck
da draußen hätten bewältigen müssen…
6 lange Tests – Survival
of the fittest
» Etappe
1: Etappe 1 (38.8 km) – Adrenalin
pur – 3, 2, 1 los! Nachdem wir alle irgendwie
den ersten Abgrund überwunden haben gings über
Stock und Stein bergauf bis zu einer Schlucht, bei der
es eine überraschend anstrengende Kletteraktion
gab. Mir taten diejenigen leid, die mehr als 11 kg auf
dem Rücken hatten. Danach gings sehr steilbergab
auf sehr rutschigem Steinboden.
Orientierung
war zuerst nicht nötig, denn wir waren am Anfang
ziemlich dicht aneinander. Erst später, wo sich
das Läuferfeld auseinandergezogen hat wurde es
etwas happig. Teilweise war man mutterseelenalleine
und mußte den Weg finden. Die Temperatur stieg
stetig und die restliche Etappe haben wir unter der
unerbärmlichen Sonne verbracht. Der Durst kam schnell
und man mußte das Wasser, Salztabletten und Elektrolyten
gut einteilen. Keine Aussicht auf Schatten, außer
kurz jeweils bei den 3 Checkpunkten. Dort hat man 1,5
Liter Wasser bekommen, Schmerzmittel (wenn nötig),
ein bißchen Schatten under einem Schirm, ein gutes
Wort und hat sich dann so schnell wie möglich auf
den Weg gemacht.
Der Weg schlängelte sich durch einige Schluchten
und über Geröllfelder, ziemlich blöd
zum Laufen. Das letzte Stück ging stundenlang bergauf
auf einer Sandstraße bis zum 3. Checkpunkt –
ich dachte, ich hätte mich verlaufen, denn der
CP kam und kam nicht und die Sonne wurde stärker
und stärker. Kurz hielt ich immer wieder in dem
kleinen bißchen Schatten an, den die Klippen boten.
Aber es half alles nichts. Es ging endlose weiter, bis
endlich CP 3 plötzlich auftauchte. Von dort aus
waren es nur noch 3.8 km bis zum 2. Camp, das am Horizont
zu sehen war. Müde und total hungrig liefe ich
so schnell es nur ging ins 1. Ziel, wo 2 meiner Zeltbewohner
auf mich warteten und meine 3 Wasserflaschen bis zum
Zelt für mich trugen.
Es war jeden Tag eine sehr große Freude, ins Ziel
zu laufen und sich zu den anderen im Zelt oder am Lagerfeuer
zu gesellen und Geschichten zu erzählen von der
Etappe oder einfach aus dem Leben. Unser Zelt (jedes
Zelt) sah immer aus wie bei 8 Hempels unterm Sofa, was
sehr zum Humor im Camp beitrug. Laufsachen und Rücksackinhalte
kreuz und quer. Geduscht wurde die ganze Woche nicht,
höchstens ein bißchen mit Feuchttüchern
abgewischt. Die Zähne hat man sich hinterm Zelt
geputzt. Der Abend war nie lange, denn alle waren bis
spätestens um 20:00 im Bett um uns für die
nächste Etappe zu regenierieren.
»
Etappe 2: Etappe 2 – (41.8 km).
Diese Etappe führt durch eine unglaublich schöne
Oase, wo wir überraschend 11 mal einen kleinen
Fluß bis auf die Hüfte überquerten und
500 Meter im Fluß liefen. Es war unfaßbar,
daß wir in der trockensten Wüste der Welt
aufeinmal bis auf die Hüfte in Wasser standen und
nasse Rücksäcke hatten. Das hat sich schnell
geändert, denn ab dem 1. Checkpunkt wurde alles
anders. Das Gelände wurde wieder knochentrocken
und die Sonne knallte auf uns nieder. Die Oase kam mir
inzwischen wie eine Fata Morgana vor.
Die Etappe führte weiter sehr steil bergauf auf
einem schmallen Weg, neben der eine kleine Steinmauer
verleif, die einen davon bewahrte, tief ins Canyon zu
fallen. Der Weg führte auf eine Bergspitze, wo
wir durch einen Tunnel gelaufen sind. Nur das kleine
Licht am Ende des Tunnels hat mir teilweise ein bißchen
Licht geboten, ansonsten habe ich nichts gesehen. Mein
Herz schlug sehr schnell, denn mir sind einige Bilder
aus Horrorfilmen durch den Kopf gegangen. Ich lief einfach
schnell weiter bis ich aus dem Tunnel raus war. Es ging
dann sehr steil bergauf auf eine weitere Bergspitze
und dann am Kamm entlang auf einer Schotterpiste. Sehr
sehr anstrengend, besonders unter der Mittagssonne bei
42 Grad. Der Lohn war eine riesige Düne, die wir
bergab laufen bzw. rollen dürften.
Ein
Engländer geht ein – ein Star verläuft
sich
Ab dem 3. Checkpunkt wurde das Laufen sehr anstrengend,
denn wir liefen sehr lange durch Sand, Dünen und
Geröllfelder, die sich sehr stark von denen in
der Sahara unterschieden. Viel schwieriger zu laufen.
Ein Engländer stand aufeinmal vor mir, und er sah
sehr schlecht aus. Er sagte, er könne einfach nicht
mehr und dass ich schnell zum nächsten Checkpunkt
laufen und dem Arzt Bescheid geben sollte. Mann, ihm
ist das Wasser ausgegangen! Er hatte sich welches über
den Kopf geschüttelt. Das macht man nicht in der
Wüste, es sei denn, man hat einen Brunnen aufm
Rücken.
Ich gab ihm eine kleine Flasche von mir und machte mich
auf Richtung CP 3, der nächste Checkpunkt. Es ging
ewig lange und bald hatte ich auch ganz wenig Wasser.
In der Atacama hat man sehr schnell starken Durst, also
hatte immer Kaugummi dabei. Das hilft ein bißchen
gegen Durst und hat mir jedenfalls geholfen, auf dem
nicht enden wollendem Weg zum Checkpunkt zu schaffen.
Sehr erleichtert erreichte ich CP 3 und erfuhr, daß
der Arzt schon unterwegs war zum Engländer.
Aber nun, wer kommt denn da angelaufen?! Das ist doch
Christian Schiester, der Weltklassenläufer aus
Österreich! Bin ich so schnell heute?! Wow, vor
Christian Schiester im CP 3 anzukommen. Nö nö,
er hatte sich um 2 Stunden verlaufen. Auf ihn hat an
den Checkpunkten ein Red Bull Fernsehteam gewartet,
das ihn nach Chile begleitete um ein Film zu drehen
über das Rennen. Er füllte seine Flaschen
und düste ab ins Camp, verärgert, daß
er so viel Zeit verloren hatte.
Parmesankäse
Habe ich mich aufs Camp und Abendessen gefreut –
gefriergetrocknetes Elchgulash mit Parmesankäse,
welchen ich an dem Zollbeamten vorbeigeschmuggelt hatte.
Was für ein Genuss, mitten in der Wüste Parmesankäse
zu essen. Ich gab jedem im Zelt ein kleines Stück.
Da haben sich unsere Italiener aber gefreut! Bald haben
es andere aus anderen Zelten mitbekommen und standen
bei uns im Zelt. Ich konnte das erste Stück gut
aufteilen, wollte das 2. Stück schon aufbewahren
für die weiteren Etappen.
Heute Abend mußten wir feststellen, daß
wir nur noch zur 7 waren. Marco, der Drittplatzierte
aus Italien mußte ausscheiden wegen anhaltender
Höhenkrankheit und Magenprobleme. Schade, er war
Drittbester. Angeblich hat’s noch weitere Ausfälle
gegeben und am nächsten Morgen beim Start hat tatsächlich
der eine oder andere gefehlt.
Schnatternde Mitläufer
Wüstenstille. Ich freue mich immer so sehr auf
die unfaßbare Stille in der Wüste, und manchmal
ist es auch still. Manchmal. Also, ich sag’s ja
ungern, aber es sind immer wieder die gleichen. Unsere
lieben europäischen Nachbarn aus Spanien und Italien.
Die schnattern was das Zeug hält. Es hat mich an
den Dschungelmarathon in Costa Rica errinnert. Die Spanier
und Italiener haben morgens früh und abends spät
gequarkt, als würde das auch zum Wettbewerb gehören.
In Chile haben Sie die Welt auch nicht mehr verstanden,
wo ein Volunteer sie freundlichst darauf aufmerksam
machte, daß alle schon um 20:00 geschlafen hatten
und sie darum gebeten haben, ganz leise zu sein, damit
alle fit sind für die nächste, sehr anstrengende
Etappe. Aber mitten in der Nacht, wo man kurz austreten
mußte, war es immer ohrenbetäubend still…
»
Etappe 3: Etappe 3 – (40 km).
Heute ging es wieder sehr zur Sache, das Terrain, die
verkrustete Erde, die steile Anstiege in den Dünen,
die unerbärmliche Sonne. Flimmernde Schotterebenen,
gleißend helle Salzebenen, hohe Sanddünen
und zahllose enge Schluchten. Jeder Kilometer in der
Atacama war teilweise wie 3 auf normalem Boden.
Die schwierigen Stellen, besonders die Salzkristalle,
wollten nicht enden. Bei den Salzkrusten und Salzkristallen,
die wie unheimlich harte Türmchen waren und die
die Schuhe regelrecht angefressen haben, hat man sich
am längsten Aufgehalten. Dort mußte man sich
am intensivsten konzentrieren und am meisten mentale
Stärke zeigen, denn das Terrain hat sich über
einige Kilometer gezogen und konnte richtig an den Nerven
zerren. Eine falsche Bewegung konnte leicht zum Ausschuß
aus dem Rennen führen.
Es ging ganz schön an die Füße und Gelenke,
so das die Ärzte abends sehr gefragt waren. Das
Zelt der Ärzte war jeden Abend noch lange hell
und von schmerzverzerrten Gesichtern geprägt. Verenkungen
und Blasen, Blasen und mehr Blasen in allen Größen
und Variationen. Zehnagelverlust bei mir bis heute:
3 Stück
»
Etappe 4: Etappe 4 – (42.8 km).
Die vierte Etappe führte durch die weiten Salzebenen
und stellte eine der größten Herausforderungen
dar. Knietief krachten die Beine in die scharfen Salzkrusten
und rissen so manche Laufschuhe samt Gamaschen in Stücke.
Das tat besonders weh an den Hinterbeinen, die ich vergessen
hatte, einzucremen.
Ich hatte meine Gamaschen an den Schuhen mit Industrie-Klebeband
umwickelt und beides damit davon bewahrt, vollig von
der sehr schwierigen Salz- und anderen Krusten zerstört
zu werden. Unglaublich, was die Schuhe bei dieser Etappe
aushalten mußten. Meine Schuhe können inzwischen
die unglaublichsten Geschichten erzählen und sind
bestimmt unfaßbar froh, daß dieses Rennen
vorbei ist.
»
Etappe 5: April April
Etappe 5 – (76.8 km). Große, sehr große
Aufregung, denn jetzt geht’s um die Wurst. Die
lange Nachtetappe. Gestern war der 1. April.
Also, der Tag verlief ohne besondere Vorkommnisse, keiner
hatte sich irgendwelche Aprilscherze ausgedacht –
dachte ich.
Abends verschwanden, ohne daß die Opfer es merkten,
ein paar einzelne Schuhe. Auch einer von mir. Stell
dir mal vor, wie es mir ergangen ist, wie ich am nächsten
Morgen aufwachte, mich auf diese so wichtige, alles
entscheidende Nachtetappe vorbereitete und feststellen
mußte, daß einer meiner Laufschuhe fehlt.
Shit!!! Der Täter gab sich bekannt und ging auf
die Wüstentoilette, wo er 3 einzelne Schuhe versteckt
hatte, um die an die Besitzer zurückzugeben.
Mit großem Erschrecken mußten er und wir
feststellen, daß u.a. die Toiletten schon abgebaut
und abtransportiert wurden. Ziemlich entrüstet
mußten 3 von uns mit einem Laufschuh und einem
Flipflop an den Start der langen Etappe gehen. Ich war
so verärgert, aber trotzdem fest entschlossen,
diese Etappe, so schwer das Terrain sein würde,
zu absolvieren, auch mit einem Laufschuhe und einem
FlipFlop. Ich zog die Gamasche drüber und klebte
das ganze wieder mit Industrieklebeband und machte mich
auf den Weg. Ich kam nur langsam voran und kochte innerlich
– das mußte jetzt unbedingt passieren.
Was für eine geniale Überraschung, am 1. Checkpunkt
die Schuhe wieder zu sehen!!!! Der Chilene, der die
Toiletten abgebaut hatte, hatte sie einfach mit eingepackt
und klugerweise am ersten Checkpunkt abgegeben. WAHNSINN!!!
Ich habe mich nie so sehr über einen alten Laufschuh
gefreut! Ich hatte einiges an Zeit verloren, aber war
umso mehr entschlossen, bei dieser Etappe eine gute
Zeit zu laufen, oder wenigstens durchzulaufen und nicht
irgendwo zu schlafen.
Ein süßer Kick
Die 76,8 Kilometern waren eingeteilt in 15 km Strecken
zwischen den Checkpunkten und geprägt von
endlosen Salzebenen und Verkrustungen, riesigen Sanddünen,
sehr unebenen Hochplateus. Überraschend gab’s
am 2. Checkpunkt eine Dose Coke! Eine willkommene Abwechslung
zum Wasser und den Elektrolyten. Daß sie sehr
warm war hat niemanden gestört.
Nachdem ich meinen Schuhe wiederbekam war ich wie neugeboren
und war fest entschlossen, durchzulaufen ohne große
Pausen. Gegen späten Nachmittag kam ein Monsterdüne
auf uns zu, gefolgt von einem recht langen Hochplateu
mit großen Steinen. Beides zerrten nochmal die
an den Kräften.
Es war sehr wichtig ab
diesem Zeitpunkt viel zu essen, denn die Kälte
setzt sich in der Wüste sehr schnell ein und der
Stoffwechsel ist auf Hochturen. Es müssen Kalorien
her, sonst gerät man leicht auf einen Hungerast
– so wie ich beim Marathon des Sables 2007 –
wo ich mich höchstens ins Ziel schleppte. Von Laufen
konnte damals keine Rede mehr sein.
Ich fühlte mich aber super, aß nach dem Hochplateu
eine Packung Beef Jerky, ein großes Stück
Parmesankäse, eine kleine Packung Gummibären,
mischte wieder ein Elektrolyten-Cocktail und machte
mich schnell auf den Weg, denn es wurde schnell Dunkel.
Ich setzte die Stirnlampe auf und die rote Lampe –
die ist vorgeschrieben, so daß die anderen Läufer
einen von Hinten sehen zur Orientierung. Wenn sich der
vor einem nicht verläuft.
Ich freute mich sehr über einen neuen Energieschub
und lief mit guter Geschwindingkeit zum 15 km entfernten
nächsten Checkpunkt, füllte meine Wasserflaschen
und ging sofort weiter. Es war inzwischen stockdunkel
und man erkannte den weiteren Weg bloß an wenigen
Leuchtstäben am Wegesrand. Zeitweise mußte
ich die Stirnlampe ausmachen, daß ich die Stäbe,
die inzwischen etwas schwächer geworden waren,
überhaupt sehen konnte.
Komisch, bei diesem Rennen erlebte ich nicht den berühmten
Punkt, wo man sich fragt, ob man ganz dicht ist und
wo man meint, nicht weiter zu können. Ich genoss
während dem ganzen Rennen eine ungeahnte Kraft,
zügig weiter laufen zu können und nutzte es
voll aus, wobei ich gleichzeitig natürlich sehr
vorsichtig war, die Kräfte so einzuteilen, daß
ich das Endziel gut erreichen konnte.
M&Ms und Raupen
Am letzten Checkpunkt vor dem Camp, kurz vor dem spektakulärsten
und abenteurlichsten Teil der Etappe bekam ich eine
Hand voll M&Ms mehr Wasser und wurde vom Arzt gefragt,
ob ich einige Stunden schlafen wolle. Dort zeichnete
sich ein düsteres Bild ab. Dunkle Schatten lagen
in Schlafsäcken gehüllt, wie Raupen, am Boden.
Eisiger Wind ließ die erschöpften Muskeln
in kurzer Zeit auskühlen und jeder Kilometer wurde
zur Ewigkeit. Also haben sich einige niedergelegt, um
Kräfte zu sammeln für das letzte Stück
bis zum Camp.
Es kam mir gar nicht in den Sinn, mich an diesem Checkpunkt
aufzuhalten. Nur noch 11,7 kms und die Nachtetappe war
vorbei. Mir war klar, daß wenn ich mich aufmache,
daß ich das letzte dunkelste und gefährlichste
Stücke alleine bewältigen mußte. Mir
taten die Füße inzwischen ganz schön
weg, aber ich wußte, wenn ich Pause mache, wird
es mir umso schwerer fallen, weiterzulaufen.
Also ließ ich einige schlafende, kraftlose Läufer
zurück und machte mich auf den Weg zum Camp. Einandhalb
Stunden schätzungsweise – dachte ich. Es
wurden noch 3 endlose Stunden. Ich lief eine kleine
Straße sehr steil bergauf bis auf eine weitere
Hochplateu, unter der atemberaubenster Sternhimmel,
den ich je gesehen habe. Ich machte immer wieder die
Stirnlampe aus, um so mehr vom Himmel zu haben.
Eine unheimliche Erfahrung war
es, ganz alleine wieterzulaufen durch die Nacht aber
ich genoss die absolute Stille und den Umriss der ungewöhnlichen
Berge vor mir, der besonders durch den Halbmond ein
besonderes Bild gab. Ich hielt einige male an, um einfach
die Stille zu geniessen. Der Weg ging links von der
Straße weg, erkannte ich an den anderen Fußspuren.
Viel konnte ich nicht erkennen vom Weg vor mir, aber
genug zu erkennen, es wird sehr schwierig.
Eine königliche Portion Abenteuer
Nach einigen Kletteraktionen durch mehrere kleinere
Schluchten in dieser unwirklichen Mondlandschaft stand
ich auf einmal auf einer offenen Sandfläche umgeben
von schroffen Bergenspitzen. Sofort erkannt ich daß
im berühmten und unheimlich schönen Valle
de la Luna, Tal des Mondes, stand. Ich blieb 5 Minuten
stehen, nicht um Kräfte zu sammeln, sondern zu
vergegenwärtigen, an was ich für einen besonderen
Ort stand. Ich ließ der Ort kurz auf mich wirken,
daß ich dieses Gefühl ganz tief verinnerlichen
konnte. Dann setzte ich meinen Lauf ins Ungewisse fort.
Der letzte Abschnitt erklärte
im höchsten Maße den 5-Seitigen Haftungsausschluß
des Veranstalters. Ich erkannte nur schlecht den Weg
und mußte mich schwer zusammenreißen, denn
es hat angefangen mir etwas Angst zu machen. Habe ich
Angst gesagt…? Der Weg wurde zu einem endlosen
Labyrinth, und einige Stellen waren nur durch waghalsigen
Kletteraktionen an Wänden passierbar, denn der
Weg geradeaus stellte sich häufiger als Abgrund
heraus.
Der Boden war sehr uneben und nur mit hoher Konzentration
auf jeden Schritt waren Verrenkungen und andere Verletzungen
zu vermeiden. Noch nie mußte ich mich so sehr
auf meine mentale Stärke verlassen wie an dieser
Stelle. Ich war inzwischen sehr erschöpft. Ich
hatte schon seit dem Start 13 Stunden sehr schwieriges
Terrain hinter mir.
Friß oder stirb
Aber es half alles nichts
– ich mußte mich zusammenreißen. Aufeinmal
saß jemand mitten im Weg im Schlafsack. Er sollte
uns Anweisungen geben für die schwierigste Stelle.
„Hallo, wer ist da?“ sagte jemanden, den
ich nicht erkennen konnte. „Brigid from Germany“
antwortete ich, gespannt, was als Nächstes kommt.
„Hi Brigid. Ich werde dir an diesem Abgrund vorbeihelfen
– platziere die Füße, wo ich dir sage.“
Ich schaute mir den Abgrund an. „Das ist nicht
dein Ernst, oder? Wie tief ist der Abgrund?“ fragte
ich im Unglauben. „Willst du nicht wissen.“
Ich kapierte schnell, daß mein Erreichen des Endziels
des Atacama Crossing davon abhing, ob ich die Nerven
bewahren könnte an diesen 4 Meter Wand am Abgrund
vorbei erklettern konnte. Ich wollte Abenteuer, jetzt
hatte ich eine königliche Portion bekommen. Um
1:00 nachts. Nach 13 Stunden laufen.
Ich hielt mich fest und folgte genau seinen Anweisungen,
Schritt für Schritt, mich nach vorne lehnend so
weit es ging. Ich schaute einmal in den Abgrund –
ahhhhhhh! - und stieg einfach weiter, so ruhig ich nur
konnte. Das schafft’s du, das schafft’s
du. Am Ende der Wand angekommen atmete ich ganz tief
durch, bedankte mich für die Hilfe und lief weiter.
Er sagte, es würde nochmal so eine Stelle geben,
nach ungefähr einem Kilometer. Der Abgrund sei
tiefer aber die Wand, die man dann erklettern mußte,
sei „nur“ 2 Meter lang. Mir wurde ganz anders.
Déjà vu
Ich liefe weiter einer Spur von Leuchtsticks entlang,
inzwischen in eisiger Dunkelheit, und dachte nur an
eins – die nächste Kletteraktion hinter mich
zu bringen und ins Camp zu laufen. Dann passierte etwas
unfaßbares – meine Stirnlampe ging aus (hmmm,
kenn ich irgendwo her…) und nahm keine neue Batterien
an!
Verzweifelt suchte ich im Dunkeln im Rücksack in
dieser Schlucht mitten im Nirgendwo nach meiner 2. Stirnlampe,
die gott sei dank zur Pflichtausrüstung gehörte.
Die erste Lampe war die Starke, die 2. ließ sehr
zu wünschen übrig, könnte mich trotzdem
durch diese Schlucht bringen.
Zwischen der ersten and zweiten Kletterstelle, die nach
ca. einem Kilometer erschien, war ich absolut nervös,
fast den Tränen nah. Ich hätte an der ersten
nicht in den Abgrund schauen sollen. Aber nun, ich mußte
die 2. Stelle passieren, oder aus dem Rennen scheiden.
Es gab nur diesen einen Weg durch diese verdammte tiefe
Schlucht.
An der zweite Stelle waren zwei Helfer, was mich nervöser
machte aber beruhigte mich zugleich. Mehr helfende Hände.
Diesmal gings darum, wie bei der ersten Kletterstelle
angekündigt, ca. 2 Meter der Mauer entlang zu klettern
über einen noch tieferen Abgrund. Ich schaltete
alles nach unten aus, als gäbe es keinen Abgrund,
und kletterte so schnell und so vorsichtig wie ich nur
konnte.
Drüben angekommen ließ ich ein Schrei der
Erleichterung los. „Versprich mir, daß es
nur noch 2 kms sind bis zum Camp, bitte!! Ich bin echt
erledigt“ sagte ich. „Versprochen“
sagte mir der Engländer. Komisch, dachte ich. Letztes
Jahr hat mich das Ausrütschen eines Engländers
den Marathon des Sables gekostet, hier in der Atacama
verhalf mir einer zum Ziel durchzukommen…
Ich bedankte mich bei den beiden und düste weiter.
Ich wußte, das Camp ist nah und bin an die letzten
Reserven gegangen. Man könnte hier rennen, die
Schlucht war gemeistert! So schnell es nur ging sprintete
ich weiter, den kaum noch zu erkennenden Leuchtstäben
nach und auf einmal, nach einer Kurve war das Ziel –
noch nie war ich so froh, eine Etappe zu Ende zu bringen.
Es war 1:30 morgens. Ich hatte genau 17 Stunden 35 gebraucht.
Ich war 4. im Zelt, die anderen waren noch auf der Strecke
oder am letzten Checkpunkt geblieben. Ich habe versucht
zu schlafen, wälzte aber nur hin und her, also
bin ich zum Lagerfeuer und habe mir eine ganz große
Portion gefriergetrocknete Nudeln Bolognese gemacht
und tauschte die genialsten Erfahrungen aus mit den
Etappen-Finishern. Alle sahen ziemlich arg erschöpft
aus, aber unheimlich zufrieden, denn das Längste
und Schlimmste war geschafft.
Ruhetag
Der nächste Tag war der wohl verdiente Ruhetag.
Wir haben den Tag damit verbracht, die restlichen Läufer
ins Camp zu begrüßen, die die Nacht und teilwiese
bis zum Mittag noch gebraucht haben und sonst zu verarbeiten,
was wir alles in den letzten 5 Etappe alles durchgemacht
hatten. Ich habe überlegt, ob ich 2 Stunden schneller
gewesen wäre, wäre mein Schuh nicht Opfer
des Aprilscherzes gewesen. Aber eigentlich war es mir
egal, denn ich hatte 240 kms hinter mir, der Rest war
unwichtig.
Ich schaute im Cyberzelt nach meinen Mails, wie nach
den anderen Etappen, bloß diesmal hatte ich mehr
Zeit, konnte die neuen Mails – und die alten –
in Ruhe lesen. Erstaunlich wie viele es waren und wie
gut es getan hat zu sehen, wieviele Leute das Rennen
verfolgt haben.
Ich blätterte weiter zu den Ergebnissen –
ich dachte ich sehe nicht richtig: ich war vorgerutscht
auf Platz 5 bei den Frauen! Ich konnte es nicht glauben,
denn die Konkurrenz war sehr stark!
Ich hatte die ganze Zeit auch nicht so ganz mitbekommen,
wieviele ausgeschieden waren aber inzwischen war fast
ein Drittel des Läuferfeldes aus dem Rennen. Sie
taten mir leid, denn jeder, der an solchen aufwendigen
Ultramarathons teilnimmt weiß, wieviel Training,
Vorbereitung und Kosten sie mit sich bringen. Und dann
einfach auszuscheiden, das ist hart. Leider gibt einem
keiner eine Garantie, daß alles stimmen wird,
besonders wo die Umweltbedingungen, die Beschaffenheit
des Untergrunds und die Wirkung der Sonne so extrem
sind. Die Atacama liegt zusätzlich auf einem Plateau
und der höchste Punkt des Kurses dadurch auf etwa
3.800 Metern. Viele verkraften so einen hohen Lauf nicht.
Den Ruhetag haben wir besonders genossen, nicht nur
weil wir nach diesen sehr strapaziösen Etappen
uns endlich Erholen durften, sondern weil wir dann viel
Zeit hatten, die Freundschaften nochmals zu vertiefen.
Man hat bei solchen Erfahrungen mit einem besonderen
Menschenschlag zu tun, der versteht, warum man macht
was man macht. Ich habe manchmal das Gefühl zu
Hause, ein Außerirdische zu sein, denn ich lebe
mit einem Fuß im normalen Leben und mit einem
Fuß in einem anderen Leben, das sich extrem stark
von allem Alltäglichen unterscheidet.
Happy Birthday und eine Spendenaktion
Am späten Nachmittag gab’s ein Wüsten-Gebürtstagsparty
für alle, die während der Woche Geburtstag
hatten, besonders für Tony aus Neu Zealand, der
2 Tage zuvor 40 geworden war. Ein richtig fetter Kuchen
aus San Pedro. War schon komisch nach dem ganzen Gefriergetrocknetem
so etwas wie einen frischen Kuchen zu sehen, geschweige
essen.
Da wir am nächsten Tag nur die kurze 11 km Etappe
noch vor uns hatten, entschieden wir uns, unser übriggebliebene
Wüsten-Mahlzeiten und sonstiges an die chilenische
Hilfskräfte zu spenden. Wir sammelten alles in
eine große Tüte und haben sie überreicht.
Sie haben gelacht und waren sehr dankbar. Sie sagten,
sie wären traurig, daß sie sich von uns am
nächsten Tag verabschieden müßten. Wir
sollten alle wiederkommen…
»
Etappe 6: Ein kurzer
Sprint zum Endziel - ein kleiner Zwiespalt
So
daß die Teilnehmer ungefähr zum gleichen Zeit
ins Endziel laufen, staffelte der Veranstalter der Start
der letzten Etappe. Die letzten 15 Platzierten liefen
um 9:00 los, die besten 15 um 11:00 und alles dazwischen
um 10:00, auch für mich. Es war schon schwer, mich
von dem letzten Camp zu verabschieden, den dieser Abschied
ist der letzter aus der Wüste. Ich kann mich immer
nur schwer von ihr trennen.
Aber gut, ganz aufgeregt war ich auch, denn die 6. Platzierte
Frau war nur 1 Minute 24 Sekunden hinter mir. Ich habe
mich gefreut über meinen Ergeiz, so gut zu platzieren
wie möglich und habe mich mental darauf vorbereitet,
diese Etappe so schnell wie’s geht abzusolvieren.
Und das obwohl ich die 6. Frau, Amanda Heading, eine super
Läuferin aus England, sehr liebgewonnen hatte. Sie
hatte am Anfang zu viel Gas gegeben und war ab der 4.
Etappe sehr müde, fiel vom 2. auf den 6. Platz.
3-2-1 los – ab nach San Pedro, Endziel! Der Rücksack
war natürlich sehr leicht geworden und weniger Wasser
brauchte man für das letzte Stück, also könnte
ich Gas geben. Außer ein paar kleineren Kletteraktionen
und Aufstiege war die letzte Etappe gut zu laufen. Ich
wurde zunehmend aufgeregt, versuchte aber, alles zu geben.
Ich kam immer wieder in Versuchung, hinter mich zu schauen,
aber ich hab’s gelassen – nur nach vorne schauen,
nur nach vorne.
Das letzte Stück ins Dorf San Pedro war eine relativ
staubige aber sehr flache Straße. Sehr bald war
man am Rande der kleinen Stadt und habe erkannt, daß
es nur noch ein 1 km zu laufen war. Mich hat ein Adrenalinstoß
gepackt und ich war so aufgeregt, daß ich kurz gehen
mußte. In der kleinen Stadt angekommen wurde ich
wie alle irre von den Dorfbewohnern angefeuert, ein unglaubliches
Gefühl.
Ich schaute mir doch kurz über die Schulter –
die nächsten Läufer waren ziemlich weit zurück.
Ich holte meine letzten Reserven und lief so schnell ich
konnte der Straße entlang, und ums Eck, wo ich das
Ziel sehen konnte. Nur noch 200 m, nur noch 100 nur noch
50 m und die letzten Meter habe ich echt geweint vor Freude
und lief über die Ziellinie – 250 km geschafft,
Medaille um den Hals! Unfaßbar…
Ich lief gleich anschließend ca. 600 Meter zurück
und holte die Amanda, der es inzwischen sehr schlecht
ging. Ich wollte sicher sein, daß sie es schafft
und habe sie an die Hand genommen und lief mit ihr ein
2. mal durchs Ziel.
Nach 6 Etappen läuft
Brigid Wefelnberg als fünftplatzierte Frau erschöpft
aber glücklich durchs Ziel ! »
"Ein toller Lauf, ..es hat einfach alles gepasst
diesmal .." sagte sie
Die täglichen Etappen: »
Etappe 1 hat Brigid Wefelnberg mit 7.13 Stunden Laufzeit
beendet.
Etappe 2 (41,8 km) hat Brigid Wefelnberg mit 8.58 Stunden
Laufzeit beendet.
Etappe 3 (40 km) hat Brigid Wefelnberg mit 8.51 Stunden
Laufzeit beendet.
Etappe 4 (42,8 km) hat Brigid Wefelnberg mit 9.46 Stunden
Laufzeit beendet.
Etappe 5 (70.. km) hat Brigid Wefelnberg mit 17.35 Stunden
Laufzeit beendet
Etappe 6 (70.. km) hat Brigid Wefelnberg mit 1.32 Stunden
Laufzeit beendet Gesamtzeit:
53.57.15
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Der kargste,
trockenste und lebensfeindlichste Raum des Planeten

die Atacama Wüste